
Eingebettet in das Biosphärenreservat Mittelelbe und durch das Dessau-Wörlitzer Gartenreich miteinander verbunden liegen die beiden Städte Lutherstadt Wittenberg und Dessau. In kaum einer anderen Region Europas sind in so unmittelbarer Nähe solche weltbewegende Ideen entstanden wie in der Region Anhalt-Wittenberg. Ob die Begründer der Moderne um Gropius am Bauhaus in Dessau, einer der Großen der Aufklärung, der anhaltische Fürst Leopold III. Friedrich Franz von Anhalt-Dessau, oder die Lutherstadt Wittenberg als Geburtsstätte der Reformation, dreimal hat die UNESCO die Region für ihr kulturelles Welterbe ausgezeichnet.
Dessau, Stadt der Aufklärung und der Moderne, ist Ausgangspunkt und Ziel unserer Rundreise. Bevor man sich der Aufklärung widmet und die zum Gartenreich Dessau-Wörlitz gehörenden Schlösser und Parks besichtigt, empfiehlt es sich, am ersten Tag in die Moderne einzutauchen.
Im Jahr 1919 gründete Walter Gropius das „Staatliche Bauhaus Weimar”. 1925 zog die Kunst- und Architekturschule nach Dessau um. Schon 1926 wurde das von Gropius entworfene Bauhausgebäude eingeweiht. Es gilt bis heute als wegweisendes Beispiel moderner Baukunst im frühen 20. Jahrhundert. Zeitgleich wurden die Meisterhäuser für die Familien Gropius, Moholy-Nagy, Feininger, Muche, Schlemmer, Kandinsky und Klee errichtet. Sowohl das Bauhausgebäude, heute Sitz der Stiftung Bauhaus Dessau, als auch die Meisterhäuser stehen für Besucher offen.
Am nächsten Tag beginnt die Reise durch das einzigartige Reich des Fürsten Franz. Zu Recht wurde es von der UNESCO im Jahr 2000 in die Welterbeliste aufgenommen. Das Gartenreich ist Ergebnis der vom Geist der Aufklärung und des Humanismus bestimmten Reformbemühungen des Fürsten Leopold III. Friedrich Franz von Anhalt-Dessau. Auf 142 Quadratkilometer sind bis heute Schlösser, Landhäuser, Kirchen, Tempel, Wallwachhäuser sowie differenziert gestaltete Gärten in die urwüchsige Auenlandschaft an Elbe und Mulde eingeflochten. Das klassizistische Schloss Luisium mit dem englischen Garten, das Rokokoensemble Mosigkau, der Landschaftspark Großkühnau und das Georgium, in dessen Schloss sich die Anhaltische Gemäldegalerie befindet, verleihen der Stadt Dessau einen fürstlichen Glanz. Sie bilden eine Einheit mit dem barocken Stadt-, Schloss- und Parkensemble Oranienbaum und dem bedeutendsten Teil des Gartenreiches, den Wörlitzer Anlagen, die Sie auf dem Weg in die Lutherstadt Wittenberg erwarten.
Die Lutherstadt Wittenberg ist eng mit dem Leben und Wirken des Reformators Martin Luthers verbunden. Geboren und gestorben in Eisleben, verbrachte er den größten Teil seines Lebens in Wittenberg. Hier wirkte Luther als Mönch und Professor im Augustinerkloster. Zusammen mit seinem Freund Philipp Melanchthon lehrte er an der 1502 gegründeten Universität. An der Schlosskirche soll er im Oktober 1517 seine 95 Thesen gegen den Ablasshandel angeschlagen haben. Wittenberg bietet vielfältige Möglichkeiten, das Erbe und Andenken des Reformators, aber auch anderer historischer Persönlichkeiten wie des Malers Lucas Cranach, zu erleben. Ein Genuss ist es, bei einem Bummel durch die Altstadt das Flair von Reformation und Renaissance auszukosten, bevor man wieder in Richtung Dessau radelt.
Selbst organisierte Anreise nach Dessau
Der erste Tag steht ganz im Mittelpunkt der Moderne. Besuchen Sie das Bauhaus und die Meisterhäuser. Radeln Sie den Bauhauspfad entlang und lernen die vielfältigen Zeugnisse, die die Bauhausarchitekten in Dessau hinterlassen haben, kennen. Nicht verpassen sollten Sie eine Einkehr im Restaurant Kornhaus. Die von Carl Fieger entworfene Ausflugsgaststätte (1929-30) liegt direkt am Elberadweg. Der sehenswerte Glasrundbau bietet einen schönen Blick auf die Elbe.
Heute begeben Sie sich auf die Gartenreichtour Fürst Franz. Der Radwanderweg zählt zu den schönsten in Sachsen-Anhalt. Auf der Entdeckungsreise durch die Gärten und Schlösser des Dessau-Wörlitzer Gartenreiches sollten Sie einen Besuch in der Anhaltische Gemäldegalerie im Schloss Georgium, das die größte Sammlung alter Malerei Sachsen-Anhalts beherbergt, und einen Abstecher ins Luisium einplanen.
Den Vormittag sollten Sie sich Zeit nehmen und die einmaligen Wörlitzer Anlagen, den künstlerischen Höhepunkt des Gartenreiches, erkunden. Hier entstand in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts ein Gesamtkunstwerk, das Gartengestaltung und Architektur in bis dato nie gekannter Harmonie vereinigt. Über den Elberadweg erreichen Sie im Anschluss auf der Tour nach Wittenberg die kleine Elbestadt Coswig mit ihrer spätgotischen Stadtkirche St. Nikolai. Eine Gierfähre bringt Sie auf die andere Elbeseite, wo ein Restaurant mit herrlichem Blick auf Elbe und Coswig zur Rast einlädt.
Ein Bummel durch die Altstadt Wittenbergs gehört zu den „Pflichtterminen“ unserer Rundreise. Dafür sollten Sie den Vormittag einplanen. In der Altstadt trifft man u. a. auf die Schlosskirche mit der weltberühmten Thesentür und den Gräbern Luthers und Melanchthons, die Höfe des Meisters Cranach, die Stadtkirche mit dem eindrucksvollen Cranach-Altar und auf die zu Museen umgestalteten Wohnhäuser Luthers und Melanchthons. Am Nachmittag radeln Sie auf der anderen Elbeseite zurück nach Wörlitz
Auf der Gartenreichtour Fürst Franz geht es zuerst in die Barockstadt Oranienbaum. Sie offeriert die längste Orangerie Europas und den einzig erhaltenen historischen chinesischen Garten Deutschlands. In Dessau sind ein Besuch des Rokoko-Schlosses Mosigkau und des Kühnauer Parks ein würdiger Abschluss Ihrer Rundreise.
Individuelle Heimreise ab Dessau
Dessau liegt an der A 9 und ist in ca. einer Autostunde oder eineinhalb Stunden mit der Bahn von Berlin aus zu erreichen. Die Lutherstadt Wittenberg ist in ca. einer Stunde von Berlin aus mit der Bahn zu erreichen.
Ohne Steigungen fahren Sie überwiegend auf gut bis sehr gut ausgebauten Radwegen.